| "Mit dem Essen kommt ja bekanntlich der Appetit". Am Kulinarischen
kann es aber wirklich nicht gelegen haben, dass Nicolas seinen Siegeszug
auch am schweizerischen Finale unbeirrt fortsetzte - weder die Verpflegung
in Wädenswil noch in Schöftland verdiente eine der bekannten
Gastronomiehauben. Den guten Nachgeschmack des Sieges in Zürich wollte der
junge Tischtennisspieler aber auch im fremden Schöftland wieder spüren.
Nach zwei souveränen Siegen zum Auftakt der Gruppenspiele, bekam er im
letzten Gruppenspiel im Kampf um den Gruppensieg erstmals ernsthafte
Konkurrenz. Der hart erkämpfte Sieg gegen seinen jungen Kollegen aus
Luzern war eine zusätzliche, willkommene Motivationsspritze. Wurde er
letztes Jahr in der Runde der letzten 16 noch unsanft von einem
grossgewachsenen und fremdsprachigen Gegner (diese Kombination war zu viel
für den Urdorfer Neuling) in die Realität zurückgeholt, wollte er es
dieses Jahr besser machen. Tatsächlich sah sein Gegner trotz einiger
Konzentrationsschwächen Nicolas im 1/8 Finale nicht viele Bälle. Vor dem
Viertelfinale durften dann die grossen und etablierten Schweizer
Tischtennisspieler während einer rund halbstündigen Show ihr Können
zeigen. Leider war der Unterhaltungswert der Show genauso bescheiden wie
das internationale Niveau der Schweizer Spitzenspieler. Als die
Hauptunterhalter des Tages weiterspielen durften, stand für Nicolas im
Viertelfinale wie auch in Zürich die grösste Prüfung bevor. Sein Gegner
aus Basel verfügte ebenfalls über ein ganzes Repertoire an Schlägen,
insbesondere, und dies hatte in der Halle Seltenheitswert, einer guten
Rückhand. Nach verlorenem Startsatz und einem 10:6 Rückstand im zweiten
Satz kamen auch die Betreuer (Dani und Andreas) langsam ins Schwitzen und
Vorschläge, wie der Gegner doch noch in Rücklage gebracht werden könnte,
wurden teuer. Nicolas hatte eine einfache Antwort darauf - er holte sich
den zweiten Satz. Mit dem zurückgewonnen Selbstvertrauen spielten sich die
nächsten Sätze einfacher und die anwesende Familie wie auch die Betreuer
konnten tief durchatmen. Die Gesellenprüfung war erfolgreich
abgeschlossen, der Halbfinal in Windeseile absolviert und die
Meisterprüfung wurde in Angriff genommen. Eigentlich konnte gar nichts
mehr schief gehen, fand doch kurz vor dem Finale auch noch Nicolas Vater,
Peter, nach rekordverdächtig schneller Fahrt zwischen Urdorf und
Schöftland (hoffentlich waren alle mobilen Geschwindigkeitsmesser im
Kanton Aargau in Reparatur) den Weg in die Halle. Einen kleinen Haken
hatte die Sache doch noch. Der Finalgegner war ein alter Bekannter! Im
letzten Jahr hatte er gegen den Zuger im Spiel um den Gruppensieg knapp
verloren. Revanche war angesagt und der gewonnene Startsatz stimmte
zuversichtlich. In Gedanken wurden bereits Träume wahr - bis der
verlorenen zweite Satz nach vergebenen Satzbällen alle in die Realität
zurückholte. Einzig Nicolas zeigte sich unbeeindruckt, und nach zwei
weiteren gewonnen Sätzen umschwirrte das erste Lächeln des Tages das
Gesicht des glücklichen Gewinners. Es war vollbracht und selbst der Fall
des Pokaldeckels während der Siegerehrung konnte niemanden mehr
erschüttern. Ob der junge Weihermatter damit Urdorfer Clubgeschichte als
erster Sieger der Schülermeisterschaften geschrieben hat, ist dem
Schreibenden nicht bekannt. Der ganze Club gratuliert auf jeden Fall ganz
herzlich und freut sich über den unerwarteten Erfolg. Mit eingeschlossen
die Glückwünsche des ehemaligen Urdorfers und jetzigen schweizerischen
Juniorentischtennisverantortlichen Markus Baumann, der sich von Nicolas
beeindruckt zeigte. Dem Schreibenden bleibt nur noch dem zukünftigen
Viertligaspieler weiterhin viel Glück und Erfolg zu wünschen und wird sich
noch eine Weile fragen, woher der junge Crack diese speziellen Aufschläge
hat.…. Andreas Meyer |
Letzte Aktualisierung: 24. Mai 2006